Wiedereröffnung

April 3, 2008

Mancher wünscht sich die Mauer zurück (Manche sogar oder weil sie die nie „life“ gesehen haben. Ich habe immerhin geraume Zeit mit direktem Blick auf die Mauer gewohnt und zwei- bis dreimal unter Lebensgefahr und Alkoholeinfluss dran uriniert, quasi als Widerstandspissnelke). Mein Opa (Jahrgang 1900) wünschte sich solange ich ihn kannte zwischendurch immer mal wieder den alten Kaiser Wilhelm wieder her.

Es ist ja müßig, darüber zu diskutieren, ob man sowas wirklich meint oder nur sagt, weil Klagen erst menschlich macht oder weil man sich seine Jugend zurückwünscht. Irgendwann erwischt es jeden. Jede Generation wird früher oder später von der rasanten Entwicklung der Weltgeschichte überrollt. Dann schüttelt man den Kopf und paraphrasiert je nach Bedarf die Sätze: „Früher war alles besser!“ – „Das hat´s früher nicht gegeben!“ „Wir sind auch ohne den ganzen Schnickschnack groß geworden!“ „Und das nennt sich jetzt modern!“

Was wünsche ich mir eigentlich zurück? Die D-Mark? 120ziger Chrom-Kassetten? Video 2000?Atari? Amiga? Meine Laktatwerte von 1985? Den Pommes-Automaten auffem Werth? Die Graupensuppe von meiner Omma? Keine Ahnung!

Aber manchmal kommt was wieder. Kennt man ja aus der Modebranche. Die haben das Kopieren ja eigentlich erfunden, nennen das aber Design. Bevor ich aber vom Hölzchen aufs Stöckchen komme, hier das Hölzchen, des Pudels Kern: Das Caféhaus macht wieder auf. Und oft schon habe ich gesagt: „Ich will das/mein Caféhaus wieder haben!“ Aber wenn die (ihr wisst schon wer) jetzt die Mauer wieder aufbauen würden, die DDR wär doch auch nicht mehr das, was sie damals war, oder?

Ich geh´ aber trotzdem morgen zur Wiedereröffnung. In die DDR würde ich bei einer Wiedereröffnung übrigens auch nochmal fahren und ein paar Bücher kaufen.

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