Das Leben auf den zweiten oder dritten Blick

Eigentlich ist an dem nächsten Montag nichts besonders. Auf den ersten Blick. Wir lesen Texte vor, wie sonst auch. Auf den zweiten Blick ist doch mehr dran, aber der Reihe nach.

Wie bereits erwähnt, haben wir einen neuen Gastleser, Michael Kenda, auf den ich mich schon sehr freue. Michael war im August 2007 Teil unserer Urlaubsvertretung, zusammen mit Peter Grabowski und Stefan Neumann. Von diesem Termin erzählt man sich ja noch heute, es sei auch gesungen worden.

Neu ist auch: Es wird ein Gewinnspiel geben, das in direkter Verbindung zum persönlichen Getränkekonsum und der anstehenden Fußball-EM steht. Nein, noch nichts mit PaniniBildchen!

Aber noch etwas ist besonders, zumindest für mich, auf den zweiten Blick. Mit dem Märztermin geht das erste Congolesenjahr zuende. Ein persönlicher Jahreswechsel sozusagen und wie zur Silvesterzeit erfüllt mich das mit einer gewissen Portion Melancholie. Letztens fragte mich jemand beim Kaffee im Congo mit Blick auf unser Plakat: „Und, wie schmeckt denn so das Leben als Comedian?“ Darauf hätten die vielen Seelen -ach- in meiner Brust vielstimmig antworten können.

Seele 1: „Besser als der Kaffee im Katzenklo, schlechter als ein kühles Bulmers im Domhan.“

Seele 2: „Ich mag den Begriff Comedian nicht und möchte niemals nicht so bezeichnet werden. Rede mich fortan mit Großmogul oder Riesenromms an, Scherge!“

Seele 3: „Wovon redet der? Redet der mit mir? Mami!“

Seele 4: „Ich habe kein Wort verstanden.“

Seele 5: „Zahlen, bitte.“

Die anderen Seelen erspare ich Euch. Man muss wissen: Wir haben das Lesen aus einer Bierlaune heraus angefangen, ohne Ziel und Konzept, ohne Werbung, Anspruch, Webblog und Welteroberungsphantasien. Das hat am Anfang gut geklappt. Vor leeren Rängen im Caféhaus hat´s angefangen, aber schon direkt mit Mikrofon, quasi mit Naturecho. Texte auszusuchen war zunächst einfach, ein bisschen Gernhardt, eine Handvoll van Dannen, eine Prise Egner. Aber schon beim dritten Termin hatten wir neben dem Publikum auch keinen Lesestoff mehr. Wir hätten jetzt gezielt nach vorlesetauglichen Texten suchen müssen, was uns irgendwie zu stressig war, bis Malte den schönen Satz sprach: „Dann schreiben wir eben selbst welche, das ist doch schnell gemacht.“ Gesagt, geschrieben. Die erste Lesung im Congo (April 2007) wurde hauptsächlich mit eigenen Texten bestritten. Es gefiel uns und auch dem nun erstaunlicherweise anwesenden Publikum. Achim, der Congowirt, war es, der vorschlug, daraus eine Reihe zu machen. Und so geschah es. Ziel und Konzept hatten wir immer noch nicht. Nur eigene Texte sollten es sein, der letzte Montag im Monat sollte es sein und eben lustig.

So geht das nun eben seit einem Jahr. Um mit Monty Python zu sprechen: „Wir haben uns einen gewissen Ruf als Tischredner erworben„. Mittlerweile ist das Congo an unserem Montagstermin sehr gut besucht. Eine schöne Geschichte. Was aber auch passiert ist: Jeder schreibt seine Texte im stillen Kämmerlein. Was der jeweils andere liest, kriegt man wie das Publikum auch erst ab 21.00 Uhr zu hören. Wir treffen uns mittlerweile nur noch an diesem Montag, der zu einem Pflichttermin geworden ist, zu dem man sich hinschleppt. Komisch, wenn man dann mal da ist, ist´s völlig ok und angenehm. Die zwischenzeitliche Idee, Texte zusammen zu schreiben oder gar zu proben, scheitert an Lethargie der Beteiligten und an Terminnot, Broterwerb lässt grüßen. Hier nur zur Erinnerung, falls jemand was anderes denkt: Das Vorlesen und auch das Schreiben sind pures Hobby und Lust am Spaß. Wir nehmen (und kriegen oder andersrum) kein Geld. Vorbereitung und Lesetermine sind Freizeit. Ja, wir sind wir Feierabenddilettanten, nicht mehr (da ist der Begriff Comedian Gott sei Dank Lichtjahre entfernt). Außerdem gibt es zunehmend mehr Hinschmeißphantasien, weshalb uns eine längere (Sommer-) Pause gut tun sollte. Auf der anderen Seite: Ohne Pflicht treffen wir uns wahrscheinlich gar nicht mehr, Lethargie, Arbeit und Familie nehmen einen ja komplett in Beschlag. Huch, ein Teufelskreis.

Aber egal, jetzt machen wir erstmal das Jahr voll, der Rest findet sich im Leben von Comedians dann schon irgendwie.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: